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SO war das nicht geplant!

Als die Diagnose Krebs kam, wurde mit einem Schlag alles auf den Kopf und in Frage gestellt. Auf einmal war nichts mehr sicher, der Boden unter meinen Füßen wurde mir weg gezogen. Die Diagnose hat mein Leben verändert. Mehr als alles, was mir bis dahin passiert war.

Dabei sah mein Lebensplan eigentlich so aus: Ausbildung, Karriere machen, Familie gründen, Haus im Grünen, weiter Karriere, dann Pension, älter werden, aber so lange wie möglich selbständig und unabhängig sein. Mit Ende 80 einschlafen und nicht mehr aufwachen. Damals war ich noch keine 20 und dachte, das krieg ich hin.

Aber nach der Diagnose Leukämie 2004 ist vieles passiert, was definitiv so nicht geplant war: Chemotherapie, acht Monate weg vom Fenster, Ausbildungsstelle zur Fachärztin an der Uniklinik verloren, andere Stelle gefunden, nach eineinhalb Jahren aus dem Arztberuf ausgestiegen und in die Forschung gegangen. Wieder Leukämie bekommen, wieder Chemotherapie, diesmal fünf Monate. Wieder „in Remission“ gekommen, wie beim ersten Mal.

Nach der letzten Therapie fiel die Entscheidung: Ich muss wieder Ärztin werden! Also zurück ins Krankenhaus, in die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin. Dazu noch die Yogalehrer-Ausbildung absolviert, Ayurveda-Medizin gelernt, die eigene Praxis yogamed für Yoga und ganzheitliche Medizin gegründet. Buch geschrieben.

All das wäre ohne den Krebs nicht passiert. Keine Frage. Natürlich hätte ich nie im Leben Leukämie haben wollen, schon gar nicht zwei Mal. Aber als ich das zweite Mal erkrankte dachte ich mir: „Irgendwas habe ich nicht noch verstanden, dass ich da nochmal durch muss.“ Und so war es dann wohl auch.

Durch den Krebs habe ich meinem Leben eine ganz andere Richtung gegeben, viele neue Dinge entdeckt, dazu gelernt, meine Persönlichkeit weiter entwickelt. Vielleicht ist deshalb so viel passiert, weil ich mir nie sicher war, ob ich genug Zeit für alles haben würde, was mir wichtig ist.

Keine Ahnung, wie mein Leben ohne Krebs verlaufen wäre. Ist auch egal, weil es so war, wie es war. Und ja, es war schlimm! Manchmal sogar sehr schlimm, sodass ich es heute noch mit der Angst zu tun bekomme, wenn ich mir vorstelle, es könnte wieder kommen.

Doch auf der anderen Seite, wenn ich grade mal darauf vergesse, mich zu fürchten, muss ich auch zugeben:

Der Krebs war mein mächtiger Lehrmeister!

3 Gedanken zu „SO war das nicht geplant!“

  1. Genau dasselbe dachte ich mir auch im nachhinein, als der Krebs zum 2. Mal auftrat. Ich habe gelernt, so hoffe ich… Allerdings habe ich nicht wirklich viel verändert, OK, ja, beziehungsmäßig sehr wohl, und hier werde ich auch nicht mehr dieselben Fehler machen- jedoch beim Job, der aktuell mein größter Stressfaktor ist, da bin ich anscheinend noch zu feige. Glg Herta

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