leben nach krebs, Uncategorized

Diagnose Krebs: wütend auf den eigenen Körper

Dieser verdammte Krebs kann auch ganz schön wütend machen. Zum Beispiel auf den eigenen Körper. Aber dein Körper ist nichts, was außerhalb von dir ist. Warum es wichtig ist, zu deinem heilen Selbst zurück zu finden und wie das geht, liest du hier.

Plötzlich bricht diese Diagnose über dich herein und du denkst dir: Das kann jetzt aber nicht wahr sein, oder? Doch du bist tapfer, kämpfst dich durch, fühlst dich mal schlecht, mal besser und dann kann es dir passieren, dass dir DAS durch den Kopf schießt:

„Verdammter Körper! Warum tust du mir DAS an?“

Ist dir noch nicht passiert? Mir schon. Ernsthaft! Ich habe wirklich mal meinen eigenen Körper angebrüllt und war richtig wütend auf ihn. Mitten in dieser monatelangen Chemotherapie wegen der Leukämie, die mir selbst gar keine Beschwerden machte. Als Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmte mit mir gab es ja nicht viel mehr als diesen seltsamen Blutbefund und das katastrophale Ergebnis aus der Knochenmarksbiopsie. Mir ging es eigentlich auch ganz gut. Jedenfalls bis dahin.

Das wirkliche Elend kam nämlich erst mit der Therapie über mich. Da fühlte ich mich dann manchmal, als wäre ein Bus über mich drüber gefahren. Meine Zunge konnte „salzig“ nicht mehr schmecken, die Glatze fand ich richtig schrecklich, und es hatte etwas beinahe Surreales, dass mich die Behandlung einer Krankheit, die weder zu sehen noch zu spüren war, so übel zurichtete. Das verlangte ganz schön viel „vernünftig sein“ von mir.

Schon vor der Krankheit war ich in einer Selbsterfahrungsgruppe, in der es um Körperwahrnehmung ging. Ich war gerade zwischen zwei Chemos und hatte keine Lust, hinzugehen. Aber ich ging dann doch, weil es zu meiner Ausbildung gehörte und ich schon dafür bezahlt hatte. Also: Augen zu und durch. Dachte ich. HAHA!

Stattdessen sind mir dann aber die Augen aufgegangen. Als ich mich darauf einließ, in meinen Körper hinein zu spüren, kriegte ich plötzlich eine Riesenwut auf diesen Körper!

Ich habe ihn innerlich beschimpft und in Gedanken angebrüllt: „Warum tust du mir das an???“ Ihn, den Körper. Da waren ganz viel Schmerz und Angst und auch Aggression. Und ein ganz seltsames Gefühl, das ich nicht wirklich zuordnen konnte. Viel Zeit musste vergehen, ich musste ein zweites Mal krank werden und nochmal durch die Therapie durch, bis ich endlich kapieren konnte, was da wirklich passiert war.

Was man nicht ertragen kann, schiebt man weg von sich

Menschen, die sich da auskennen, nennen das Dissoziation. Das Ausblenden von etwas, mit dem man nicht umgehen kann oder will. Ich für meinen Teil hatte meine Körperempfindungen so gut wie möglich ausgeblendet, und als mich dann die Übung zum Hinschauen zwang, überwältigte mich die Distanz in Form dieser Wut.

Ich war nicht mehr eins mit meinem Körper und er mein Feind. Mir war die Ganzheit abhandengekommen. Hätte ich es damals schon verstanden, hätte ich vielleicht etwas dagegen tun können. Aber die Erkenntnis musste erst noch reifen und brauchte dafür vielleicht noch die zweite Runde, das Rezidiv.

Heute bin ich wieder eins mit mir selbst und meinem Körper. Klar, mir tut mal hier, mal da etwas weh. Aber ICH habe Schmerzen, meine Wehwehchen. Nicht MEIN KÖRPER bereitet mir Schmerzen. Das macht einen großen Unterschied, denn ich weiss auch, ich kann etwas tun, um mich wieder besser zu fühlen, etwas DAFÜR tun, anstatt etwas zu bekämpfen, was in meinem Körper ist. So als wäre das die Außenstelle meines Selbst und ich das Opfer von irgend etwas, gegen das ich mich zur Wehr setzen müsste.

Du möchtest wissen, was du für dich tun kannst, damit du zu deinem heilen Selbst zurück findest? Ich habe für dich diese kleine Übung vorbereitet:

Schicke deinem Körper ein Lächeln!

Schließe deine Augen, atme ruhig und gleichmäßig und scannen deinen Körper systematisch. Wie fühlen sich die Arme an, die Beine, der Rücken, der Bauch, Brustraum, Schultern, der Kopf …?

Richte deine Aufmerksamkeit auf einen Körperteil nach dem anderen. Am besten, du beginnst bei deinen Zehenspitzen und gehst von unten nach oben systematisch alles durch.  Stelle fest, ob du den Zustand des Körperteils, bei dem du dich gerade befindest, erspüren kannst; ist er warm/kalt, schwer/leicht, locker/angespannt etc.?

Wenn du an eine Stelle in deinem Körper gelangst, die sich unangenehm anfühlt oder gar weh tut, dann bleibe mit deiner Aufmerksamkeit länger dort und beobachte dieses Gefühl. Wie es sich während der Betrachtung verändert oder nicht. Vielleicht entstehen Bilder oder Gedanken in Verbindung mit dem Gefühl in diesem Körperteil.

Versuche schließlich, ein freundliches Gefühl für diesen Körperteil zu entwickeln und schicke ein Lächeln hin. Sei dabei ganz aufmerksam und hingebungsvoll. Beobachte, welche Empfindungen du an dieser Körperstelle hast und wie sie sich vielleicht verändern, während du sie beobachtest und dein Lächeln wirken lässt…

Tu dir was Gutes!

 

 

4 Gedanken zu „Diagnose Krebs: wütend auf den eigenen Körper“

  1. Toller Beitrag. Gratuliere für diesen Blog. Ich werde mich nun öfters hier einbringen, da ich auch Krebs hatte. Liebe dich selbst, achte dich selbst, wertschätze dich selbst, habe Mitgefühl für dich selbst und glaube an dich, dann kannst du Alles besiegen!

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hab mir vorgenommen, nur akute Leiden zu behandeln, also wenn ich Schmerzen habe. Und dann will ich die Schmerzen behandelt haben und nicht irgendwas anderes. Und wenn ich früher draufgehe, ist ja meine Entscheidung. Ärzte wissen oft nicht mehr als wir. Sie können nur besser so tun.

    Gefällt mir

    1. Zum Glück ist es ja so, dass man zu jeder Behandlung seine Einwilligung geben muss und nicht gegen seinen Willen irgend eine Therapie erhält. Das kann aber auch zur Folge haben, dass man sich einem großen Druck ausgesetzt sieht, den man erst mal aushalten muss. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut, um deinen Weg zu gehen und dass du dabei unterstützt wirst! Alles Gute, Claudia

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s