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Der Krebs und die Frage nach dem WARUM

Die Frage nach dem Warum ist nicht nur unser treuer Begleiter auf dem Weg durch den Krebs, sie beschäftigt uns auch lange nach der Chemotherapie, der Bestrahlung immer wieder. Leider gibt es darauf selten eine eindeutige Antwort. Schon gar nicht von den behandelnden Ärzten.

Also entwickeln wir selbst unsere wilden Theorien, leiten Zusammenhänge ab, suchen nach Schuldigen, Schuld bei uns selbst. Dadurch kann zwar nichts rückgängig gemacht werden, aber es gibt uns das Gefühl, zumindest ansatzweise zu begreifen, was mit uns geschieht und vielleicht sogar etwas Kontrolle darüber zu bekommen.

Was man nicht weiss, kann man bestenfalls glauben. Und vom Glauben ist es zum Aberglauben dann auch nicht mehr weit.

Jeder, der an Krebs erkrankt, entwickelt also seine ganz persönliche Hypothese, warum das passiert ist. So auch ich. Natürlich! Als ich zum ersten Mal Leukämie bekam, war ich gerade in einer wahnsinnig intensiven Zeit des Arbeitens an der Uniklinik. Ich hatte eine Fachausbildungsstelle ergattert, wenn auch befristet, ich liebte die Frauenheilkunde, und ja, ich wollte auch „etwas werden“. Es war sehr stressig, Vorzeichen wie Müdigkeit durch die Blutarmut konnte ich nicht bemerken, weil ich durch zahlreiche anstrengende Nachtdienste ohnehin meist ziemlich geschafft war. Durch einen Zufall wurde mein miserables Blutbild entdeckt, und schon war ich mittendrin im falschen Film, ich war Krebspatientin. Als Ärztin. Das geht ja eigentlich gar nicht.

Meine eigene Theorie hatte was mit Tschernobyl zu tun

Weil es in der Medizin ja die „Second hit“-Theorie gibt, die besagt, dass ein Auslöser nicht ausreicht, damit sich eine Krebserkrankung tatsächlich manifestiert, hatte ich meine ganz persönliche Krankheitshypothese schnell beisammen: Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im April 1986 hatte ich genau dann Fenster geputzt, als die höchste Belastung mit radioaktiven Partikeln in Österreich gemessen wurde. Zack, der erste Schlag. Als ich mich dann an der Klinik durch die viele Arbeit zusätzlich überstrapazierte, zack, der zweite Schlag, und ich bekam Leukämie.

Sieben Monate später war nicht nur meine Therapie zu Ende, sondern auch mein befristeter Vertrag an der Klinik, und ich musste mir einen anderen Job suchen. Meine Fachausbildung konnte ich nicht fortsetzen, weil ich keinen Ausbildungsplatz fand, also blieb ich noch für einige Zeit an einem anderen Krankenhaus ärztlich tätig. Doch war das nicht dasselbe, und irgendwo hatte ich auch Angst, durch den Stress des Arztberufes wieder krank zu werden.

Ich dachte, der Stress wär’s gewesen, aber das Rezidiv hat mir das Gegenteil bewiesen

Also fand ich einen sehr guten Job in der klinischen Forschungsabteilung eines Pharmaunternehmens, der mir eine hohe Lebensqualität bot und auch noch interessant war. Drei Jahre nach meiner Erstdiagnose fühlte ich mich meiner Sache so sicher, dass ich mir den Port-a-cath entfernen ließ. Doch dann plötzlich, aus heiterem Himmel das Rezidiv.

Als das auch überstanden war, kehrte ich in den Arztberuf zurück. Weil mir erstens klargeworden war, dass es erstens nicht der Stress war, der den Krebs ausgelöst hatte, und ich zweitens am Schreibtisch nicht glücklich werden konnte, weil ich die Arbeit mit Patienten zu sehr liebe! So wurde ich Ärztin für Allgemeinmedizin, medizinische Ayurveda-Spezialistin und Yogalehrerin. Das war meine Antwort auf die Frage: „Was wollte mir meine Krankheit sagen und was habe ich beim ersten Mal noch nicht verstanden, dass ich noch ein zweites Mal da durchmusste?“

Das Port-a-cath Orakel

Nun stand ich aber wieder mit einem Port-a-cath da, und diesmal war ich mit dem Entfernenlassen sehr lange sehr unschlüssig. Irgendwie hatte ich Angst davor, ihn rausnehmen zu lassen und wieder krank zu werden – deswegen! Mit der Zeit nervte das Ding dann doch immer mehr, und irgendwann kam ich nicht umhin, das Thema von der vernünftigen Seite her zu betrachten.

Beim ersten Mal hatte ich mich so sicher gefühlt, dass ich mir das Ding entfernen ließ, weil ich dachte, ich würde es nicht mehr brauchen. Nun sah die Sache ein wenig anders aus. Ich fühle mich überhaupt nicht sicher. Dass meine Leukämie wiederkommen kann, ist eine Realität. Wovon es abhängt, ob sie wiederkommt, weiß niemand, und es kann sie auch niemand vorhersagen. Aber eines ist klar: Es hängt nicht vom Port-a-cath ab, ob ich ein Rezidiv bekomme!

Also trennte ich mich von meinem treuen Begleiter, und das war nach über sieben Jahren auch höchste Zeit, weil die Verwachsungen bereits so ausgedehnt waren, dass es nur dem außerordentlichen chirurgischen Geschick meiner Freundin Tina (Dr. Kristina Schönau ist Fachärztin für Chirurgie in Wien mit Spezialisierung auf onkologische Mammachirurgie) zu verdanken war, dass sie das Ding komplikationslos herausbekam. Sie war es auch, die zu meiner Beruhigung sagte: „Weg damit, du brauchst ihn nicht mehr. Und falls doch, dann bauen wir eben wieder einen ein. Aber das wird nie sein.“

Bis jetzt hat Tina Recht behalten. Der Port ist seit 10 Monaten draußen, und ich fühle mich pudelwohl. Nächstes Monat ist der 9. Jahrestag meiner Rezidiv-Diagnose. Zeit für mich, daran zu denken, dass es nicht selbstverständlich ist, wie gut es mir geht. Und dass der Port-a-cath damit nun wirklich überhaupt nichts zu tun hat.

Was ist deine Erklärung dafür, dass du Krebs bekommen hast? Wie gehst du damit um? Ich freue mich auf deinen Kommentar und antworte auch garantiert, wenn du mich etwas fragen möchtest.

 

 

26 Gedanken zu „Der Krebs und die Frage nach dem WARUM“

  1. Hallo ich hatte mit 25 Schilddrüsenkrebs war allerdings sehr gut zu behandeln und seitdem ist nichts bin inzwischen 35…mein Bruder hat einen Glioblastom mit 30 bekommen nach der Op ubd der chemo mit Bestrahlung war ein Jahr Ruhe letztes jahr im Februar ist es ganz schlimm wieder nachgewachsen eine riesenop hat ihm die linke Körperseite gekostet er war gelähmt mit nochmaliger Chemo wurde alles schlimmer wir haben trotz Bestrahlung und die Behandlung mit Methadon ihn im November verloren…er starb mit 32 war ein sportlicher Typ hat dich immer gesund ernährt war der lustigste Mensch den uch je kannte…alle Ärzte Kliniken (ausser Grosshadern) haben uns im Stich gelassen wollten ihn nichr behandeln oder aufnehmen wir haben so um ihn gekämpft alles hat sich gegen uns gewendet. Ich bin sauerauf alle wir waren so verzweifelt und das war denen egal…vielleicht war sein Tod auch sein Schicksal aber hätte man uns geholfen dann bin ich mir sicher das dr paar Jahre mit uns noch gehabt hätte…ich lebe auch nur noch mit Fragezeichen und wünsche allen betroffenen viel Kraft und vor allem Glück (den wir leider nicht hatten)

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    1. Du hast meinen größten Respekt für Deinen Umgang mit den schlimmen Erfahrungen in Deinem Leben, mit wie viel Kraft Du das alles bewältigst. Für Deine Zukunft wünsche ich Dir das Allerbeste und weiterhin viel Kraft und positive Energie!

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  2. Liebe Claudia, das hast Du sehr schön geschrieben. Du gehst den richtigen Weg. Vielen Dank für diesen überaus guten Beitrag von Dir. Ich stehe noch am Anfang bei mir ist die Diagnose erst 2 3/4 Jahre her. Aber ich habe da auch so meine Strategie entwickelt, dass es mir trotz der Belastungen der Therapie immer sehr gut geht.

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    1. Liebe Andrea, danke für deine netten Worte. In dem ganzen Schlamassel, in das uns die Diagnose bringt, kommt es drauf an, seinen ganz persönlichen Weg zu finden, um damit zurecht zu kommen. Du tust das auf wundervolle Art und Weise, und dafür wünsche ich dir auch weiterhin viel Kraft und positive Energie!

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  3. Liebe Andrea vielen Dank für Deinen Beitrag. Ja man macht sich viele Gedanken warum das alles so ist.
    Mein Rezidiv wurde im Dezember festgestellt und ich stecke natürlich noch mittendrin, zweite Chemo hinter mir,naja ich brauche Dir nicht zu erzählen wie es mir geht. Aber die Zeit geht vorüber auch wenn die Hölle nicht schlimmer sein kann. Es ist noch ein langer Weg den ich gehen muss, aber deshalb mein Leben ändern? Nein, das werde ich nicht tun.
    Ich liebe meine Arbeit und will da wieder hin. Ein Jahr Auszeit, notgedrungen, aber wenn ich wieder fit bin werde ich auch wieder arbeiten gehen.
    Ich habe vor knapp vier Wochen meinen Port bekommen und muss diesen jetzt wechseln lassen, dieses doofe Ding hat sich gedreht????? Wie kann das sein???? Meine siebente Op innerhalb von 2 Jahren, du kannst mir glauben ich hab die Schnauze voll 😝
    Aber was uns nicht umbringt macht uns nur noch stärker.
    In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute und bleib gesund
    Glück Petra

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  4. Liebe Claudia,
    Deine Geschichte hat mich bewegt, obwohl meine Lebensgeschichte auch nicht langweilig ist. 2000 bekam ich mit 40 Jahren Brustkrebs, linke Seite. Nach Erfolgreicher OP bekam ich 4 Zyklen Chemo und wurde dann von meiner Gynäkologin nachbehandelt. 14 Jahre ging es mir gut, ich erlernte einen neuen Beruf, betroeb mit meinem Hund viel Sport, kurzum, nach so langer Zeit dachte ich, da kommt nichts mehr.
    2014 wurde bei einer Routineuntersuchung ein heschwollener Lymphknoten an der linken Halsseite getastet.
    Und dann war er wieder da, dieser verfluchte Krebs. Ich erfuhr dann, dass ich einen besonderen Brustkrebs habe. HER 2 Neu. Ein chronischer Krebs. Das hatte meine Gynäkologin wohl nicht zu behandeln gewusst.
    Meine Onkologin war aber mit dem Befund alleine nicht zufrieden und war immer der Meinung, da ist noch mehr.
    Nach einem Gentest kam heraus, dass ich das BCRA1 habe, also genetisch bedingten Eierstockkrebs.
    Die wurden dann entfernt, bei dieser OP wurde dann ein Karzinom im Bauchfell entfernt.
    Kurz und gut, nach 1 1/2 Jahren Chemo, Angst ums Leben, vielen dunklen Gedanken, kann ich heute sagen, seit September 2015 sind meine Blutwerte die einer gesunden Frau. Ich war beim Heiler und mache Reiki. Meine Onkologin umarmt mich jedes Mal, wenn sie mich sieht.
    Ich habe mich natürlich auch gefragt, warum und warum ich. bisher habe ich noch keine Antwort gefunden. Ich befasse mich jetzt mit mir und meinem Leben, habe Verhaltensweisen und Einstellungen verändert, hoffe, das im Juni mein Port nach 3 Jahren rauskommt und genieße dankbar mein Leben und hoffe, dass es noch lange so gut läuft.
    Herzliche Grüße
    Claudia

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  5. Liebe Claudia, ich freue mich sehr über Deinen Artikel. Ich habe heute gerade das erste mal in meinen Leben an einen Yogakurs bei mir im Dorf teilgenommen. Morgen treffen wir uns ein weiteres mal. Ich bin vom heutigen Tag sehr begeistert. Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Dein Blog hat mich so richtig neugierig gemacht, mal den Yoga für mich zu entdecken. Ich melde mich in den nächsten Tagen dazu in meinen Blog mal etwas ausführlicher. Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend und ein schönes Wochenende. Lg Andrea

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    1. Hallo Claudia,auch ich bin wieder in dem Sog habe 2005 mamakarzinom gehabt und trotz der vielen Bestrahlung en ging es mir wieder gut 2006 bekam meine Tochter auch diese Krankheit hat 5 Jahre gekämpft aber dann verloren sie war 48 Jahre und hat 3 kinder hinterlassen ,im Jahr 2000 verlor ich auch meinen Mann an dieser Krankheit und nun habe ich selber die Krankheit (Darmkrebs) wuerde im Julie 2016 Operiert zur Zeit bin ich in der 12 Phase der Chemotherapie aber solangsam habe ich keine Kraft mehr. Leider habe ich immer Durchfall und das zwingt mich immer zuhause zubleiben weil ich nicht weiss wann es los geht.Ich frage mich auchimmer wieder warum?. Danke für deinen Beitrag ich wünsche Dir alles Gute .lieben Gruß Karin

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      1. Liebe Karin! Es berührt mich sehr, deine Geschichte zu lesen und ich danke dir, dass du sie mit mir teilst. Es ist sehr gut verständlich, dass dir allmählich die Kraft verloren geht. Pass auf dich auf und scheue dich nicht davor, Unterstützung anzunehmen, vielleicht sogar darum zu bitten. Alles Liebe, Claudia

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  6. Bei meinem Mann wurde letztes Jahr durch Zufall ein Gallengangkarzinom festgestellt. Der sechser im Lott das es überhaupt entdeckt wurde ( Rheumatiker bei der Blutuntersuchung erhöhte Leberwerte ) wenn das nicht gewesen wäre….. dann wäre jetzt alles zu spät. Nachzulesen auch in der WAZ zum Weltkrebstag am 4.2 , Interview da diese Krebsart nicht so häufig vorkommt.

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  7. Liebe Claudia, auch ich möchte Dir für deinen Beitrag danken! Du sprichst mir aus der Seele. Ich erkrankte 2016 als erst 28Jährige an einem triple negativem Mammakarzinom. Eine sehr intensive Zeit auf Arbeit und wahrscheinlich auch mein Alter führten dazu, dass Symptome überhaupt nicht in diese Richtung gedeutet wurden. Wer kommt schon auf die Idee, ein noch recht junger Mensch könnte eine solche Krankheit haben. Nach einem anstrengendem Jahr der Behandlung kann ich sagen, ich hab’s geschafft! Die Frage nach dem ‚Warum‘ geistert einem tatsächlich immer und immer wieder durch den Kopf… Gedanken wie ‚Du hattest einfach zu viel Stress auf Arbeit‘ und ‚Du hast nicht genug auf dich geachtet‘ flammen immer wieder auf. Da ich noch recht frisch aus der Behandlung bin, bin ich auch noch stark am sortieren. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich alles positiv entwickelt. Und einen Grund, den brauch es für mich eigentlich nicht. Arschgeigen brauchen nie einen Grund, um Arschgeigen zu sein… und Karl-Arsch, der ist definitiv ’ne Arschgeige!

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    1. Liebe Nicole, diese Gedanken mit Stress und auf mich achten kenne ich nur allzu gut. Sie sind auch heute – 9 Jahre nach meiner letzten Erkrankung – immer wieder präsent. Und ehrlich gesagt bin ich mir heute weniger denn je im klaren darüber, welche Bedeutung sie tatsächlich haben.
      Das mit dem Sortieren halte ich jedenfalls für überaus wichtig. Wie bei allen Dingen, die mir in meinem Leben zugestoßen sind (und das war nicht nur die Leukämie), habe ich mich im Nachhinein immer gefragt, was sie in mir bewirkt haben. Und das war jedes Mal erstaunlich viel.
      Ich wünsche dir, dass auch du an deiner Geschichte wächst und den Kopf oben behältst. Alles Gute und viel Kraft!

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  8. Mein Sinn war scheinbar schlicht mich zu besinnen!
    Ich habe viel emotionalen Stress, Pflegebedürftigkeit der Eltern über mehrere Jahre gehabt! Als mein Vater gegen seinen Willen in ein Pflegeheim müsste, kam meine Diagnose! Und plötzlich müsste Zeit sei für die Behandlung ! Und plötzlich müsste ich mich auf mich besinnen! Mein Vater starb als meine Bestrahlung beendet war! Ich hatte Zeit jeden Tag im Krankenhaus bei ihm zu sein, Zeit mit meiner Schwester zu verbringen! Ohne den Krebs wäre das nicht möglich gewesen! Die Erfahrung, die Diagnose… braucht niemand, aber manchmal hilft sie zu verstehen…
    Ich hab es geschafft bis hierher , bin dankbar dafür und kann heute alles viel entspannter sehen! Bin gelassener und erfreue mich an meinem LEBEN!! Danke für deinen Artikel!!!

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    1. Liebe Tine, ich glaube, wir haben eine sehr ähnliche Art, die Dinge zu betrachten. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, klar hätte ich nicht Krebs bekommen wollen. Wie du sagst, die Erfahrung braucht keiner.
      Aber rückwirkend betrachtet weiß ich heute auch, dass ich mich durch diese Erfahrung so enorm weiter entwickelt habe, wie das ohne sicher nicht passiert wäre. Für deinen Weg wünsche ich dir weiterhin viel Gelassenheit und Freude am Leben. Danke, dass du mich an deinen Gedanken teilhaben hast lassen. Alles Liebe, Claudia

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  9. Liebe Claudia, ich lese auch mit großem Interesse Deinen Blog. Die Frage nach dem Warum hat auch mich im letzten Jahr beschäftigt, als ich die Diagnose Brustkrebs bekam. Tschernobyl hatte ich auch im Hinterkopf oder der viele Stress im Büro. Irgendwann habe ich mir gesagt, hör auf damit, Dir den Kopf darüber zu zerbrechen, Du wirst keine Antwort bekommen. Schau lieber positiv in die Zukunft. Und das versuche ich auch zu beherzigen. Leider kann ich das ganze meiner Mutter nicht so ganz vermitteln. Sieben Monate vor meiner Erkrankung bekam mein Vater aus heiterem Himmel die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs und vier Wochen später war er tot. Und immer wieder fragt sie nach dem warum. Sie kann es bis heute nicht verstehen, warum es gerade meinen Vater getroffen hat. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und ich habe sie gefragt, ob sie sich mal gefragt hat, warum ausgerechnet ich Brustkrebs bekommen habe. Scheinbar hat sie soweit in ihrer Trauer nicht gedacht. Selbst als wir aus der Tumorkonferenz kamen (zu deren Mitkommen ich sie erst mal bitten musste), kam als erstes die Frage, warum durften wir nicht zur Tumorkonferenz von Papa? Weil es wahrscheinlich nichts mehr zu besprechen gab und man uns Details ersparen wollte?! Ich mache ihr auch keine Vorwürfe, aber ich hätte mir gewünscht, sie hätte sich ein wenig mit mir beschäftigt, aber durch ihre Trauer war sie dazu nicht in der Lage . Langsam wird es besser und sie konnte sich sogar dazu aufraffen, mit mir eine Woche in den Urlaub zu fliegen. Ich wünsche Dir liebe Claudia alles Gute und auch allen anderen, die gegen diese Krankheit kämpfen müssen.

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    1. Liebe Birgit, danke für deinen Kommentar. Ich kann gut verstehen, wie du dich fühlst in Bezug auf das Verhalten deiner Mutter. In meiner Arbeit als Ärztin habe ich die Erfahrung gemacht, dass jeder Mensch anders umgeht und zurecht kommt mit der Krankheit – seiner eigenen und der von Angehörigen. Unser größtes Problem dabei ist, dass wir nicht wissen, was in anderen Menschen vor sich geht. Wir können nicht hineinschauen, es nicht nachvollziehen. Kein Wunder, oft genug weiss ich ja nicht mal selbst so ganz genau, was in mir vorgeht… Als meine Mutter vor zwei Jahren sehr überraschend verstarb, wurde mir klar, dass mir nach meiner eigenen Krankheit nur sehr wenig Kraft dafür übrig geblieben ist, Schicksalsschläge zu verkraften. Vielleicht ist es deiner Mutter da ähnlich ergangen nach dem Verlust ihres Mannes. Aber das ist auch nur eine Vermutung. Noch dazu über jemanden, den ich nichtmal kenne!
      Ich wünsche dir, dass ihr einen Weg zueinander findet und du dein Leben unabhängig davon mit Freude genießen kannst. Alles Liebe, Claudia

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  10. Liebe Frau Dr. Mainau, ich bin durch eine meiner Leserin auf Ihren interessanten Blog gestoßen. Ich selber bin vor mittlerweile fast sechs Jahren an einem Plattenepithelkarzinom am Zungenrand, übergehend in den Mundboden erkrankt. Ich war ein Jahr aus dem Leben gerissen und lebe heute mit schweren Behinderungen krebsfrei und sehr zufrieden.
    Und genau diese Frage nach dem Warum habe ich in all dieser Zeit nie gestellt, weil es keine Antwort darauf gibt. Ich sehe keinen Sinn meine Energie, die ich ich für wesentliche wichtigere Dinge benötige, in die Vergangenheit zu stecken. Selbst wenn es eine Antwort auf das Warum geben sollte, so kann man das Geschehene nicht mehr ändern.
    Ganz herzliche Grüße aus Salzburg
    Claudia Braunstein

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  11. Nach meiner Diagnose, hat es fast 2 Monate gedauert, bis ich das Wort „Brustkrebs“ ausgesprochen habe. Bis dahin gab es von meiner Seite nur die Umschreibung „Verwachsungen“ die mein Frauenarzt beim Entfernen eines schmerzhaften Knotens, der übrigens harmlos war, entdeckt hatte. „Warum?“ hab ich mich nie gefragt. Nach dem ersten Schock war ich nur wütend. So, so wütend!!! „Was kommt jetzt noch? Was soll der Scheiß?“ das waren meine Gedanken. Die OP habe ich erst mal verschoben, denn 4 Tage später feierten wir die Konfirmation meines ältesten Sohnes. Fragt mich nicht, wie ich diesen Tag mit fröhlichen Gästen überstanden habe… Dann Besprechung mit dem Arzt für die Nach-OP und mein zweiter Schock!! Die Brustwarze muss weg. Das war mir plötzlich so wichtig, dass das nicht der Fall ist. Hat keiner verstanden. Außer mein Frauenarzt…er versprach mir, so zu schneiden, dass sie erhalten bleibt. Und wir sollten alle beten, dass er alle Krebszellen dabei „erwischt“. Und was soll ich sagen…er hats geschafft, die Ränder waren frei, die 13 Lymphknoten, die er auch raus hat – waren frei!!! Ich bin ihm auf ewig dafür dankbar, das meine rechte Brust noch nach Brust ausschaut, trotz der vielen Narben. 6 Wochen Bestrahlung, keine Chemo.
    Das ist jetzt 6 Jahre her und ich bin gesund.
    WARUM habe ich mich nie gefragt, ich war nur schockiert, wie schnell etwas vorbei sein kann. Und ich habe Konsequenzen daraus gezogen: Ich hin mir wichtig, ich und das was ich fühle ist wichtig.
    Ich habe mich von meinem Ehemann getrennt, bin inzwischen seit 3 Jahren geschieden, habe einen neuen Job, der mir ungemein gut tut… Ich habe diesen Schritt nie bereut, auch wenn auf diesem Wege viele Scherben blieben und es viele Tränen gab. Ich habe zwei wunderbare Söhne von inzwischen bald 20 und 17 Jahren.
    Tja, das ist meine Geschichte.
    Ach ja… Januar 2013 wurde Hautkrebs diagnostiziert. Weißer…das heißt kleine OP und wieder gut 😉

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  12. Liebe Elli, danke dass Sie Ihre Geschichte so offen erzählen. Es ist ein langer Weg, den sie zurück gelegt haben. Aber bei allen Scherben und Tränen sind sie doch ein riesiges Stück weiter gekommen. Das wäre ohne den Krebs vielleicht nicht geschehen, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß. Und das macht letztlich die innere Größe aus, dass man an den Schwierigkeiten, die man überwindet wächst. Alles Gute!

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  13. Hallo liebe Claudia,

    Ich bin heute beim Internet stöbern auf deinen Blog gestossen und habe mich schon eifrig durchgelesen. Die Frage „warum ich „habe ich mir jetzt erst seit kurzem gestellt. Ich bin im Juni 2016 an Brustkrebs erkrankt , habe Chemotherapie, Brustop , Bestrahlungen hinter mir gelassen und nehme zur Zeit noch eine Chemo in Form von Tabletten, um auch noch das restliche kleine Risiko eines Rezidivs medizinisch auszuschliessen. Selbstverständlich stelle ich mir die Frage was kann ich jetzt selber dafür tun um einen Rezidiv zu vermeiden und daher auch die Frage warum habe ich überhaupt Krebs bekommen? Ich war über 2 Jahre beruflich in einer Situation in der ich mich gänzlich überfordert gefühlt habe und zudem kam auch noch zu diesem Zeitpunkt die Nachricht meiner Mutter dass sie seit mehreren Jahren meinen Vater heimlich betrügt. Ich habe mich von meinem derzeitigen Job getrennt und habe mich mit meiner Mutter ausgesprochen.Habe mehrere Basenfastenkuren gemacht einen Weg den ich eingeschlagen habe um für mich psychisch und körperlich alles zu verarbeiten und dachte eigentlich ich hätte jetzt alles soweit im Griff und mir ginge es gut…. und dann die Diagnose BK. Selbstverständlich möchte ich gerne meine Diagnose auf diese beiden Situationen hinführen alllerdings kann ich mir da sicher sein?? Reicht es mir zu sagen dass ich aktuell in einer ganz anderen Situation bin und ich bestimmt nie wieder Krebs bekommen werde ??Wie kann ich mein Leben weiterführen und wieder neu in den Begriff bekommen ohne diese ständigen Gedanken ….Daher bin ich sehr froh auf deinen Blog gestossen zu sein um hier einige Erfahrungsberichte durchzulesen und mir Tipps zu holen um vielleicht einiges besser zu verstehen und zu verarbeiten.
    Vielen Dank ich denke ich werde eine eifrige Mitleserin werden

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    1. Liebe Simone, es freut mich sehr, dass du auf meinen Blog gestoßen bist und dich angesprochen fühlst. Es sind nämlich genau solche Menschen wie du, für die ich ihn schreibe. Dein Feedback zeigt mir, wie wichtig das ist und motiviert mich ungemein. Danke! Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für deinen weiteren Weg!!!

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