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Du bist nicht das, was dir geschieht…

Du bist nicht das, was dir geschieht, sondern das, was du aus dir machst.

So oder ähnlich ging der weise Spruch, den ich kürzlich auf einem stimmungsvollen Bildchen in Facebook sah. Natürlich stand das da auf Englisch, denn da klingt ja alles gleich noch viel, viel weiser. Oder auch lässiger. Wahrscheinlich stand darunter ein klingender Name, denn wenn man mit besonderer Weisheit Aufmerksamkeit erregen will, zitiert man einen unanfechtbar weisen Weisen als Wortspender, wobei es schon jemand sein sollte, der es mit Buddha, Dalai Lama oder Albert Einstein aufnehmen kann. Dann klingt’s erstens besonders weise, zweitens besonders glaubwürdig und drittens kann niemand beweisen, dass die Worte nicht von jenen Personen stammen, denen man sie ungefragt andichten kann.

Wie viele solcher Sprüche und „Zitate“ habe ich nicht schon gesehen? Bei den meisten gedacht: „ja, eh“. Aber bei diesem hier bin ich doch erst mal über das Offensichtliche gestolpert. Denn ist es nicht so, dass wir oft in unserem Leben „allem und allen anderen“ die Schuld dafür geben, dass wir so sind, wie wir sind, und dass alles so ist, wie es ist, weil „ES so ist, wie es ist“?

Zum Beispiel die Sache mit dem Krebs. Der bricht in dein Leben ein, ohne dass du ihn darum gebeten hast, auch ohne dass er dich fragen würde, ob’s gerade passt. Da ist er also und reisst alles an sich. Mit einem Mal hast du nichts anderes mehr zu tun, als gegen ihn zu kämpfen. Und das kannst du nicht mal so richtig selbst machen, schon gar nicht allein. Also wirst du zum Patienten (was übersetzt der Erleidende heisst), zur Patientin und die Ärzte sagen dir, was zu tun ist, die Medizin bekämpft den Feind, den Krebs. Deine Terminplanung richtet sich nach dem Therapieplan, dein Tagesablauf nach der Routine im Spital und deine Tagesverfassung danach, wie du die Medikamente und Behandlungen verträgst. In diesem Geschehen ist für nichts anderes Platz als für die Krankheit und den Kampf gegen sie.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie schrecklich ich es fand, während der Chemotherapie so stark unter der Kontrolle anderer Menschen zu stehen. Allein die tägliche Frage nach dem Stuhlgang brachte mich immer wieder auf die Palme (dass ich einmal tagelang verneinte und darauf auch niemand reagierte, obwohl ich bereits knapp vorm Darmverschluss stand, ist eine andere Geschichte, die ich hier nicht erzählen möchte). Daraus musste ich immer wieder mal ausbrechen, und so schlich ich mich verbotenerweise hin und wieder in den Garten der Klinik und setzte mich auf eine Bank in die Sonne (obwohl ich null weiße Blutkörperchen hatte und damit praktisch keine Immunabwehr).

Keine Frage, in diesem Abschnitt seines Lebens ist ein Mensch das, was ihm geschieht, nämlich ausschließlich Krebspatient. Trotzdem sind wir dabei nicht alle gleich, sondern unterscheiden uns sehr stark darin, wie wir mit dem Schicksal, Krebspatienten zu sein, umgehen. Wie wir mit unserem Schicksal umgehen macht in der Folge, wenn das Gröbste überstanden ist, also nach der Therapie, einen vielleicht noch größeren Unterschied. Denn dann kann ich mir bewusst die Frage stellen: Was mache ich aus dem Krebs in meinem Leben? Oder überlasse ich es dem Krebs, etwas aus – oder im schlimmsten Fall mit – meinem Leben zu machen?

Mit anderen Worten: ich habe bis zu einem gewissen Grad selbst die Wahl, wie ich das Erlebte verarbeite. Wenn ich mich immer nur als Opfer sehe, nehme ich mir die Möglichkeit des freien Handelns, weil ich nur re-agieren kann, nicht agieren. Gelingt es mir hingegen, zu erkennen, was ich alles geleistet und geschafft habe in dieser schwierigen Zeit, kann ich diese Erkenntnis dafür nutzen, um für meine Zukunft Kraft aus der Erfahrung meiner eigenen Stärke zu schöpfen. Sofern ich sie erkannt und schätzen gelernt habe.

Freilich ist das alles andere als einfach, vor allem wenn die Folgen der Erkrankung das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Und doch kann es schon einen großen Unterschied im Erleben ausmachen, wenn man damit aufhört, sich als Opfer dem eigenen Schicksal zu ergeben und sich über die Ungerechtigkeiten des Lebens zu kränken.

Nimm dein Leben selbst in die Hand!
Entscheide dich JETZT dafür!
Nimm dein Glück selbst in die Hand! Ja, du selbst! Mache dich glücklich!
Und warte damit nicht bis morgen, sondern fange heute damit an!
Jetzt! Sofort!
Schließe deine Augen, lächle und genieße den nächsten Atemzug…

4 thoughts on “Du bist nicht das, was dir geschieht…”

  1. Liebe Claudia, viele liebe Grüße aus meinen Garten sendet Dir Andrea. Diesen Artikel hast Du wunderbar geschrieben. Ich kann sehr vieles auch für mich daraus nehmen. Ich bin auch schon walken gewesen. Jetzt sitze ich gerade auf der Terasse und beobachte die Vögelchen. Die Sonne scheint . Es ist ein wunderbares Gefühl. Ich genieße den Tag. Ich wünsche Dir auch einen wundervollen Tag. Ganz liebe Grüße von Andrea

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